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LANGEWIESEN

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Thermometer Ausstellung - 100 Jahre Tradition

Baustelle

Geschichtlicher Abriss zur Entwicklung der Thermometer- und Glasapparate-Fertigung in Langewiesen

1891  gründete Karl Kriltz in Langewiesen unter dem Namen „Kriltz und Johannes“ eine Glasschleiferei in Langewiesen. Es wurden Thermometerplatten und -skalen aus Glas geschliffen.

1896 gründete der Thermometermacher Max Muth einen Betrieb für Thermometer- und Glasinstrumente in Langewiesen. Einzelne Handwerker und größere Unternehmen stellten nahezu alle Arten von Thermometern her.

1905 brachte die Inbetriebnahme der Gasanstalt den Aufschwung für die Thermometer- und Glasinstrumenteproduktion in Langewiesen. Bis dahin erfolgte die Erhitzung des Glases mit der Paraffinlampe.

In den 20-er und 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts war nahezu jede dritte Familie der Stadt mit der Thermometerfertigung verbunden. Der Schwerpunkt lag in diesen Jahren auf der Fieberthermometerproduktion. Es wurden sowohl Fieberthermometer in Einschlussform („ovale Fieberthermometer“) als auch Fieberthermometer in Stabform („prismatische Fieberthermometer“) hergestellt. Namhafte Unternehmen mit einer Vielzahl von Heimarbeitern, aber auch einzelne Glasbläsermeister fertigten die Fieberthermometer für den deutschen Markt. Die Thermometer wurden in viele Länder exportiert.

Schon frühzeitig erfolgte eine Spezialisierung bei der Fertigung.

Die Thermometerbläser führten die glasbläserischen Arbeiten und das FüIlen der Thermometer vor der Lampe durch.

Die Thermometerschreiber übernahmen das Kalibrieren („Justieren") und das Anfertigen und Einbringen der Skalen bzw. das Aufbringen des Skalenbildes auf die Stabthermometer. Glasrohre und Kapillarrohre wurden überwiegend aus den Ilmenauer Glashütten und von Schott & Genossen aus Jena bezogen. Die Ausbildung der Facharbeiter erfolgte in den einzelnen Handwerksbetrieben.

1890 wurde dem Prüfamt für Thermometer eine provisorische Fachschulabteilung für Thermometerbläser in der städtischen Schule in Ilmenau am Topfmarkt zugeteilt.

1898 zog das Prüf- und Eichamt in das neu eingerichtete Backsteingebäude in Ilmenau ein. Darin wurde auch die Landesfachschule untergebracht und Glasinstrumentemacher und Feinmechaniker ausgebildet.

1915 erfolgte der Einzug in die neu gebaute Glasfachschule am Wallgraben in Ilmenau, die 1958 den Status einer Ingenieurschule erhielt. Heute befindet sich dort das Amtsgericht.

1921 Nachdem nach erbittertem Widerstand der Thermometerhersteller eine gesetzliche Prüfpflicht für Fieberthermometer eingeführt wurde, mussten die Produzenten alle von ihnen hergestellten Thermometer in der 1889 gegründeten amtlichen Prüfanstalt für Thermometer in Ilmenau prüfen lassen.

1924 Der erzielte Preis für die Fieberthermometer ging dagegen ständig zurück. 1924 wurden 12 Stück amtlich geeichte Fieberthermometer für 2,80 Mark angeboten.

Arbeitszeiten von 12 Stunden und mehr waren die Regel. Trotzdem wurde in den meisten Fällen noch private Landwirtschaft betrieben, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Die Heimarbeiter produzierten unter zum Teil sehr schlechten Bedingungen, besonders das Füllen der Thermometer, mit dem als Füllflüssigkeit verwendeten Quecksilber, war durch das Einatmen der Quecksilberdämpfe gesundheitsschädlich.

In den meisten Fällen arbeiteten die gesamten Familien, auch die Kinder mit. Trotzdem reichte der spärliche Verdienst (Lohn) oftmals nicht für das Nötigste zum Lebensunterhalt der Familien.

1924  gab es in Langewiesen 61 Thermometerhersteller mit 124 Beschäftigten.

1939 mit dem Beginn des 2. Weltkrieges wurde die Thermometerproduktion Deutschlands auf kriegswichtige Produkte ausgerichtet. So wurden verstärkt Fieberthermometer als auch Spezialthermometer für militärische Zwecke benötigt.

Infolge des Mangels an männlichen Arbeitskräften wurden verstärkt Frauen eingesetzt.

1945 nach dem 2. Weltkrieg verließen einige Thermometer-Fabrikanten und gut qualifizierte Facharbeiter die sowjetische Besatzungszone und ließen sich in Westdeutschland (z.B. Raum Wertheim) nieder.

1949  wurde in Geraberg das VEB Thermometerwerk gegründet.

1950  wurde in Langewiesen aus der Belegschaft der ehemaligen Betriebe „Arno Amarell“ und „Max Schmidt“ die „Fabrik für Präzisionsthermometer, Betrieb II“ als Betrieb der VVB Glas / Keramik gegründet, der noch im gleichen Jahr an den VEB Thermometerwerk Geraberg angegliedert wurde.

1954/55  Nachdem die Beschäftigten in den nachfolgenden Jahren in zwei andere Produktionsstätten umziehen mussten, konnte unter aktiver Mithilfe der Kolleginnen und Kollegen bei den Bauarbeiten das neue Produktionsgebäude in der Friedrich-Eck-Straße bezogen werden.

Wurden hier anfangs sowohl technische Thermometer als auch Fieberthermometer produziert, so spezialisierte sich diese Abteilung in den sechziger Jahren auf die Fertigung von Fieberthermometern in Stabform („prismatische Fieberthermometer“).

In den Folgejahren konnte durch vielfältige Rationalisierungsmaßnahmen von den bis zu 140 Beschäftigten (75 % Frauenanteil) eine jährliche Produktionsstückzahl von ca. 2,2 Mio. Fieberthermometern in Stabform erreicht werden. Die Thermometer wurden überwiegend ins westliche Ausland (NSW) exportiert.

Bis 1978 befand sich auch eine Werkstatt für Kieselglasthermometer (Quarzglasthermometer) in der Abteilung Langewiesen.

In den achtziger Jahren wurden zusätzlich zur Produktion von Fieberthermometern in Stabform, auch Haushaltsthermometer hergestellt und Teilarbeiten für Fieberthermometer in Einschlussform r das Hauptwerk in Geraberg ausgeführt.

Neben der Abteilung Langewiesen des VEB Thermometerwerk Geraberg (Betrieb des VEB Kombinat Technisches Glas Ilmenau) gab es noch die PGH „Thermometertechnik“ als zweiten bedeutenden Thermometerproduzenten in Langewiesen, sowie mehrere selbstständige Glasinstrumenten- und Thermometerhersteller, die zum Teil in der „Genossenschaft der glasverarbeiteten Handwerksbetriebe e.G.m.b.H.“ zusammengeschlossen waren.

1972  wurde die PGH „Thermometertechnik“ dem VEB Thermometerwerk Geraberg angeschlossen.

1974 - 1976 wurde neben zwei kleineren Erweiterungsbauten von 1960 ein neues, modernes Produktions- und Sozialgebäude für die Abteilung in Langewiesen errichtet.

Nach der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten, der Privatisierung und Umbenennung des „VEB Thermometerwerk Geraberg“ in "Geraberger Thermometerwerk GmbH“ wurde 1991 die Betriebsabteilung Langewiesen geschlossen.

Damit war die 100-jährige Thermometer- und Glasapparatefertigung in der Stadt Langewiesen beendet.

Einige Mitarbeiter wurden in das Hauptwerk Geraberg übernommen, welches mit der „Geratherm Medical AG“ am Standort Geschwenda mit gegenwärtig 75 Beschäftigten weiter besteht.

Heute, 2009, werden dort neben Fieberthermometern (mit der im Werk entwickelten quecksilberfreien Füllung, für die „Geratherm Medical AG“ weltweit alleiniger Hersteller ist) medizinische Diagnosegeräte produziert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

05.05.2009

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