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“OSCAR SCHLEGELMILCH”

DIE GESCHICHTE EINER PORZELLANFABRIK

11.03.1892

Eintragung der Porzellanfabrik in das Handelsregister beim Fürstlichen Schwarzburger Amtsgericht in Gehren. Inhaber Oscar Schlegelmilch leitet die Fabrik als Einzelkaufmann. Man fertigt Zierporzellan, Nippes und Mokkatassen in Auf- und Unterglasmalerei.

1904

Dem Kaufmann Theodor Conrad Hinrichs, bisher Direktor der Porzellanfabrik „Erdmann Schlegelmilch“ in Suhl, wird Prokura erteilt.

1905

Die Fabrik wird in eine OHG (Offene Handelsgesellschaft) umgewandelt, mit Herrn Hinrichs als gleichberechtigten Teilhaber.

1914

Vergrößerung der Fabrik durch 4 Rundöfen; Sortimentserweiterung um Dosen, große Vasen, Belegtassen und Krüge im Jugendstil. Belegschaftserhöhung auf 300 Personen. Hauptabsatzgebiete: Nord- und Südamerika, nordische Länder und der Balkan. Der Transport erfolgt in Fässern.

1914

Kommerzienrat O.Schlegelmilch zieht freiwillig in den 1.Weltkrieg; T.C. Hinrichs übernimmt die Leitung. 

1922-1924

Die Töchter der Inhaber, Frau Helene Schwarz, geb. Hinrichs und Fräulein Toni Schlegelmilch werden persönlich haftende Gesellschafter der OHG.

1930

Hochwertige Fond- und Reliefmalerei wird bei Petroleumlicht angefertigt.

1929-1932

Umsatzverringerung durch Rückgang des Exportes, die Belegschaft sinkt auf 32 Personen.

1931

Herr Gerhard Luge wird als Technischer Leiter eingestellt.

1934

Schlegelmilch entwickelt hunderte neue Muster und ca. 1.200 neue Dekore.

Februar 1934

Hinrichs scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus der Firma aus. Gesamtprokura wird Herrn Gerhard Luge sowie dem Kaufmann Karl Geißler erteilt.

1935

Beginnende Aufwärtsentwicklung; Modernisierungsmaßnahmen durch Umbau des Brennofens 2.

1936

Aufstellung einer Führbringerschmelzmuffel (Farbschmelze) und Inbetriebnahme einer Spritzanlage sowie eines Eyrich-Tonmischers.

  • Oscar Schlegelmilch zieht sich als mitarbeitender Gesellschafter aus der Fabrik zurück
  • Hans Schlegelmilch wird allein maßgebender Gesellschafter; die Leitung der Fabrik übernimmt Gerhard Luge
  • Der Vertreterstab wird neu organisiert und neue Mitarbeiter werden angelernt.

Januar 1937

O. Schlegelmilch übersiedelt nach Köln. Direktor und Prokurist der Fabrik wird Gerhard Luge. Durch Umsatzsteigerung und Exportverdoppelung sind Gewinne zu verzeichnen.

03.01.1938

Oskar Schlegelmilch stirbt in Köln.

1938

Modernisierung und Umbau von Ofen 3, Erweiterung des Sortiments durch technische Spezialartikel und Reklameascheschalen sowie Ausbau der Geschenkartikelkollektion.

  1939

Erweiterung der Belegschaft auf 140 Personen; weitere Umsatzsteigerung

1939-1945

Export eines umfangreichen Sortiments an Geschenkartikeln in nordische Länder, den Balkan und nach Holland. Die „Luxusfabrikation“ für das Inland wird gestoppt. Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich. Die Belegschaft besteht nur noch aus ca. 30-50 Personen.

Oktober 1945

Hans Schlegelmilch stirbt in Wesel. Auflösung der OHG; Witwe und Alleinerbin Christel Schlegelmilch führt den Betrieb weiter.

1945-1949

Abschluss von Veredlungsaufträgen und Einrichtung von Veredlungsarbeitsplätzen für ca. 40 Personen

  • Schaffung von Umsiedlerarbeitsplätzen.
  • Die Firma wird zu Reparationslieferungen an die Sowjetunion verpflichtet.
  • Zubehörteile für Bügeleisen werden ins Produktionsprogramm aufgenommen.
  • Neue Mitarbeiter werden eingestellt.

1953

Staatliche Verwaltung des Betriebes nach § 6 Vo 17.07.1952 (Diese Verordnung regelte die Übernahme des Eigentums von Fabrikinhabern mit ständigen Wohnsitz in der BRD); als Verwalter fungiert Herr Max Heyder vom VEB Porzellanwerk Gehren

1953

Beurlaubung des bisherige Direktors Gerhard Luge, der mit Familie in die BRD übersiedelt. Die staatlich verwaltete Porzellanfabrik hat wieder 225 Beschäftigte. Das Produktionssortiment: Haushaltporzellan, Kaffee-, Tee- und. Mokkaservice. Der Anteil an Geschenkartikeln, wie Dosen, Vasen, Schalen, in einfachen bis reichen Gold- und Farbfonddekoren wird reduziert. Die Produktion geht zu 80% ins Ausland und in die Sowjetunion.

1954

Beteiligung an der ständigen Export-Musterschau Berlin mit einer Auswahl an Mustern für Übersee und Europa.

1957

EINFÜHRUNG DER 45 - STUNDENWOCHE

1958

Export in nordische Länder, Jugoslawien, UdSSR; Hauptanteil geht an HO-Speziellhandel für sowjetische Magazine. Dem Antrag auf staatliche Beteiligung (56%) wird mit dem Gesellschaftsvertrag stattgegeben.

18.06.1958

Umwandlung der Firma in eine Kommanditgesellschaft unter dem Namen:

„Oscar Schlegelmilch KG”
 

01.07.1958

Neuer Kommanditist: Deutsche Investitionsbank Berlin, Einzelprokura: Max Heyder.

1959

Neuanschaffungen: Glasurmaschine und Teller-Roller; Ausbau der Großküche mit Belegschaftsraum; Bau der Toilettenanlage, Trafostation und Sanitätsstelle.

01.07.1959

Neuer Kommanditist wird der VEB Porzellanwerk „Graf von Henneberg“ Ilmenau.

1965

Staatliche Beteiligung erhöht sich auf 68%. Die Zahl der Arbeitskräfte sinkt auf 208. Produktion von Kaffee- und. Mokkaservicen- 1/3 Export, 1/3 Regierungsaufträge, 1/3 Bevölkerungsbedarf.

1965-1971

Die Dekoration von Haushaltsporzellan mit Edelmetallen und Feingold bedürfen einer „Verwendungsgenehmigung“ Nur für Export, Regierungsaufträge u. Sonderbedarf wird diese erteilt.

21.09.1971

Staatlicher Gesellschafter, Direktor des VEB Porzellanwerkes Ilmenau stellt Antrag auf Liquidation, da die Arbeitskräftekapazität im neuen Porzellanwerk abgesichert werden muss.

16.04.1972

Auszahlung der Kapitalanteile an alle privaten Gesellschafter durch den Staat. Übertragung aller materiellen Umlaufmittel und Grundmittel an das Porzellanwerk Ilmenau.

17.04.1972

Angliederung der Fabrik an den VEB Porzellanwerk Ilmenau als Werk VII und Übernahme eines Teiles der Facharbeiter. Ein Teil des Betriebes wurde als Lehrbetrieb eingerichtet. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude entstand ein Wohnheim für 15 Lehrlinge.

1990

Durch die politische Wende wurde die Treuhand Besitzer des Gebäudes. Heute haben sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände mehrere Kleinunternehmen angesiedelt.

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